Riba Roja 2002

Riba Roja 2002

Noch nie eine Angel in der Hand gehabt: Claudia zeigt uns wie man Schwarzbarsche fängt
Bericht: Broesel

Die Vorzeichen für die Tour 2002 standen bei Beginn der Planungen im Jahr 2001 nicht sonderlich gut. Keiner der bisherigen Teilnehmer konnte oder wollte den Webmaster nach Spanien begleiten.

In dieser Situation überraschte mich meine Lebensabschnittsgefährtin Claudia, experimentier-freudig und immer für eine Überraschung gut, mit der Ankündigung, mich an den Stausee begleiten zu wollen.

Ob sie diesen Wunsch aus Neugier, Abenteuerlust oder purem Mitleid mit mir äußerte, da ich sonst nicht hätte fahren können, ist mir bis heute nicht ganz klar. Wie dem auch sei, ich stimmte (mit zwiespältigen Gefühlen) zu und die Vorbereitungen konnten beginnen.

Und Vorbereitungen sind einige zu treffen. Es ist nun leider nicht so, dass man an den Stausee fährt, sein eigenes Boot in´s Wasser schubst, mit allem, was man so braucht beläd´ und auf den See hinaus schippert.

So fischen wir gern auf Wels. Gute Angelstelle, Zelt, bequeme Liegen...

Das Angeln auf Wels und andere Fische an diesem See in der von uns bevorzugten Art und Weise ist nur möglich, wenn man die Dienste diverser Veranstalter von Angelreisen in Anspruch nimmt. Wie in den Jahren zuvor wollte ich auch dieses Mal für unsere Tour auf bewährte Dienstleistungen zurückgreifen und wieder bei Andree´s Angelreisen buchen. Hier war mir bekannt, was ich erwarten kann und geboten bekomme.

Kurz vor der Buchung der Reise signalisierten die Angelfreunde "Egon" und "Doc Schneider" doch noch Ihr Interesse an der Teilnahme bei dieser Tour. So waren wir dann doch zu viert. Um vor Ort Boote mieten zu können muss man für die Dauer der Angeltour mindestens einen Stellplatz auf dem Campingplatz von Andree´s Angelreisen buchen, der pro Kopf und Tag berechnet wird. Angellizenzen von mind. 3 örtlichen Vereinen sowie der Angellizenz der örtlichen Fischereibehörde waren zu ordern, Angelversicherungen (in Spanien Pflicht) abzuschließen und 2 Boote für uns vier zu buchen.

Kaum war die Reise gebucht, erhielt ich eine Hiobsbotschaft. Freund Udo S., genannt "Doc Schneider", musste seine Teilnahme wegen einer schlimmen Erkrankung seines Sohnes wieder absagen. Was tun? Die Reise war für 4 Personen gebucht. Und da wir uns vor Ort in Gruppen zu 2 Personen aufteilen wollten, benötigten wir dringend Ersatz, der jedoch schnell gefunden war. Klaus, ein Angelfreund, durch den wir seinerzeit auf diesen See aufmerksam gemacht worden waren, war nur zu gern bereit, an Udo´s Stelle an dieser Welstour teilzunehmen.

Vorbereitungen und Abreise

Nun konnten die eigentlichen Vorbereitungen beginnen. War das Angelgerät noch in Ordnung? Wo war denn das gesamte Zeug geblieben, das man alle 2 Jahre zum Welsfischen benötigte? Im Keller? Im Gartenhaus? Vielleicht auch in einer der zahlreichen Garagen?

Au weia, da fährt ja eine Frau mit. Mensch, was brauchen wir denn da zusätzlich? Schnapsidee, verflixte, eine Frau mitzunehmen.... Das gibt bestimmt Ärger. Spätestens, wenn wir ankommen. Da fährt doch keine Frau hin! So eine Tour ist nach deren Ende eigentlich immer todsicher ein Scheidungsgrund. Aber ich bin ja nicht verheiratet. Also was soll schon groß passieren? Und überhaupt.....

Eigenbau-Campingtoilette für die Wildnis, der Frau im Team vorbehalten

Die Rahmenbedingungen kennt sie schließlich. Von zahlreichen Bildern und noch mehr Videofilmen. Eine Liege, ein Schirm, ein Schlafsack und... ENDE IM GELÄNDE! Nix Luxus, Natur pur. Immer und in jedem Falle.

Na ja, man will ja nicht so sein. Sie soll es ja bequem haben. Also noch schnell ein Faltklo gebaut. Von wegen Büsche und so...

Irgendwie neigt unsere Truppe immer dazu, alles ein wenig zu übertreiben und perfekt vorbereitet reisen zu wollen. Aus diesem Grund wird nicht nur fürstlich eingekauft sondern auch die Angelausrüstung immer wieder aufgestockt und weiter perfektioniert.

In den letzten Jahren reisten wir immer mit Anhänger. Oder in Kamerad Aaltöter´s Bus. So waren 600 - 800 Kg Reisegepäck für 4 - 6 Personen keine Seltenheit. Seinerzeit prägte Angelfreund und Kollege "Bartbrösel" Harald P. den tiefgründigen Satz "Pack´ ein, was du meinst, Platz ist genug"...

Von diesem Motto wollten wir jedoch in diesem Jahr Abstand nehmen. Die Anreise sollte in zwei Pkw´s erfolgen, da die Mitreisenden Egon und Klaus nach einer Woche die Rückreise antreten mussten. Der Webmaster hatte beschlossen, seine Lebensabschnittsgefährtin für Ihr Angebot, ihn an den Stausee zu begleiten, mit einem anschließenden zweiwöchigen Urlaub in einem luxuriösen Ferienhaus im Ebro-Delta zu belohnen (oder zu bestechen, je nach Sichtweise...).

Nein, so geht es nicht. Mal abgesehen davon, dass der Auspuff spätestens in Köln eine weitere Mitreise ablehnt und sich verabschiedet gibt das eine "Lampe", die sich gewaschen hat!

Also alles wieder ausgepackt und zurück in den Garten geschafft. Verflixt, nun muss doch der Anhänger mit. Das hatte gerade noch gefehlt. Neben der Tatsache, dass ich ihn erst noch holen und auf den niedrigen Aufbau umrüsten musste, bedeutete dies natürlich eine erheblich längere Fahrzeit und 2 Liter mehr Benzin auf 100 Kilometer.

Wie dem auch sei, der Anhänger wurde geholt. Passend zu dieser betrüblichen Angelegenheit begann es auch noch heftig zu regnen. Angesichts dieser Tatsache ist es sicherlich verständlich, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht gerade fröhlichster Laune war und am liebsten mit Handgranaten und anderen sprengmitteltechnischen Gerätschaften hantiert hätte...

Kaum zu glauben, dass dieses "Gerödel" 2 Stunden zuvor in meinem Wagen gesteckt hatte. Wenn jetzt irgend jemand etwas murmelt von "völlig überladen" usw., weit gefehlt! Selbstverständlich hatte ich als verantwortungsvoller Kraftfahrer alle Gegenstände vor dem Beladen des Pkw gewogen und das Gesamtgewicht erreichte noch keine 400 Kg (wenn auch nur knapp).

Eine Beschwerdemail an den Hersteller des Fahrzeugs ist im Übrigen unterwegs. Gibt dieser doch doch im Handbuch eine zulässige Zuladung von 800 Kg (!!!) für dieses Auto an. Da muss bei der Übersetzung aus dem japanischen irgend etwas völlig falsch gelaufen sein...

Seit spätestens dieser Tour glaube ich tatsächlich an das Übersinnliche. An Telepathie, Gedankenübertragung, Hellseherei oder auch PSI-Faktor genannt. Kaum war der Anhänger beladen meldete sich Freund Egon. Angeblich passte nicht alles in seinen Golf.   LÄCHERLICH!

Nach der Abfahrt am Donnerstag um 21.30 Uhr hatten wir am Freitag vormittags die Grenze von Frankreich nach Spanien überquert. Von hier aus waren es noch ca. 4 - 5 Stunden Fahrt bis an unser Ziel.

Nordspanien!

Der Parkplatz "La Jonquera" direkt hinter der Grenze war willkommener Ort für eine längere Pause. Immerhin hatten wir bis hier schon 14 Std. Fahrt hinter uns. Zeit, ein ausschweifendes Frühstück zu uns zu nehmen, die gequälten Beine zu vertreten und die weitere Route zu besprechen.

Freund Egon bei der Zubereitung seines Frühstücks, einer geschmacklich guten, geruchsmäßig aber ekeligen Aldi-Frikadelle im Brötchenmantel. Klaus sieht aus, als sei ihm die Frikadelle im Hals stecken geblieben. ICH kann das verstehen....

Frisch gestärkt machten wir uns daran, die letzten "paar" Kilometer bis zum Stausee Ribaroja zurückzulegen. Die Vorfreude sorgte für einen hellwachen Fahrer und mit Tempo 130 ging es weiter in Richtung Süden.

Der Ort Riba Roja (Ribarroja)

Geschafft! Nach einer Gesamtfahrzeit von 19 Stunden waren wir endlich am Ziel. Vom Ort Ribaroja bis zum Welscamp am Stausee waren es nur noch ein paar Kilometer.

Mediterranes Flair, wie man es kennt und schätzt. Feinste Wohngegend mit ansprechenden Ein- und Mehrfamilienhäusern. Der spezielle Charme, der unweigerlich den Wunsch erzeugt, hier in Immobilien zu investieren.

Nach dem Hochgenuss dieser Aussicht fuhren wir die letzten Kilometer zum Welscamp. Nichts geht mehr... Nach 19 Std. Fahrt durfte ich ausspannen. Freund Egon übernahm die grilltechnische Abwicklung des Abendessens und für mich war nach der ausgedehnten Dusche klar: Heute bewege ich mich nicht mehr.

Samstag, 07.09.2002

Der frühe Vogel fängt den Wurm, sagt der Volksmund. Da ist ja normalerweise auch etwas dran. Also früh aufgestanden, Tasse Kaffee gekocht und dann schnell zu den Booten... ...die wir gegen 11.00 Uhr dann auch endlich bekamen...

Wie die Tour verlaufen ist?

Nun ja, wir haben wieder eine wunderbare Woche in der Natur am Ribaroja verbracht. Ich habe meine Fische gefangen, keine Riesen zwar (der größte Wels maß 1,80 Meter), Egon war erfolgreich, nur Klaus ging leider leer aus, viel wichtiger war uns jedoch die Erholung, die man am Stausee erfährt. Erholung, die den Kopf von allem "entrümpelt" und die in der heutigen, schnelllebigen Zeit so unabdingbar geworden ist. Hier hat man die Zeit, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken und "das Sein" zu genießen. Hochachtung vor meiner Lebensgefährtin Claudia, die ihren ersten Aufenthalt in der Wildnis ohne jede Klage verbrachte und nebenbei als Nichtanglerin ihr Geschick bei der Schwarzbarschangelei unter Beweis stellte.

Noch zu erwähnen wäre, dass mir diese Tour aus einem ganz anderen Grund immer in Erinnerung bleiben wird. Auf dem Rückweg verbrauchte mein Wagen sagenhafte 22 Liter Motoröl. Der Defekt war unterwegs nicht zu ermitteln, wie sich nach der Ankunft in der Werkstatt herausstellte hatte der Ölfilter ein kleines Loch. Wie Fahrzeug und Anhänger nach diesen 1650 km aussahen, es ist unbeschreiblich. Ich war nach den 21 Stunden Fahrt leider zu müde, um noch ein Foto davon zu machen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, als das Motoröl sich den Weg über den Auspuff und Katalysator in Richtung Heck suchte, um dort nebelartig den Anhänger einzuhüllen...