Mauritius

"rutentreter@mauritius"

Wahrlich keine Holzklasse...
Wahrlich keine Holzklasse...

Mauritius, ein perfekter Urlaub….

Im April 2016 wurde ich „genötigt“, noch einmal eine Fernreise anzutreten. Normalerweise bin ich kein Freund von langen Flugreisen und subtropischem Klima, aber nun „musste“ ich eine solche Reise antreten…

Das Ziel sollte Mauritius werden, hier das Maritim Resort & Spa Mauritius an der Westküste, gelegen zwischen den Orten Port Louis und Grand Baie. An der Westküste, da auf Mauritius Ostwind vorherrschend und die Ostküste daher meist etwas rauer ist, mit mehr Wind und Wellen zu rechnen ist.

Der Flug mit Emirates im Airbus A380 war schon die richtige Wahl, wenn man 2x 6 Stunden Flugzeit und 4 Stunden Aufenthalt in Dubai vor sich hat. Aus meiner Sicht ausreichend Beinfreiheit auch in der „Holzklasse“, ganz gute Verpflegung und auch diverse Alkoholika ohne Aufpreis, und besonders das umfangreiche Entertainment-Programm, individuell zu wählen Dank eigenem Monitor und Controller für jeden Fluggast, helfen dass die Zeit wie im Flug vergeht…

500 Filme, dabei die neusten Kinofilme, 200 Spiele (fast alles auch auf Deutsch), sowie kostenlos W-Lan während des Fluges, was will man mehr (außer 1. Klasse, is klar…)

Wer in Dubai Zwischenstopp macht sollte unbedingt Zigaretten mitnehmen. Die Stange kostet dort je nach Sorte zwischen 8,-€ und 15,-€. Und selbst wer selber nicht raucht, sollte welche als „Trinkgeld“ mitnehmen. Auf Mauritius kosten Zigaretten ähnlich viel wie in Deutschland, bei einem deutlich niedrigeren Lohnniveau. Da ist so eine Schachtel Zigaretten von Jedem gern gesehen. Auch von den Nichtrauchern…

Die Unterkunft, Verpflegung, Strand und Freizeitangebot waren erstklassig, da gab es wirklich nichts zu meckern. Da AI gebucht war, kann ich zu den Nebenkosten nicht viel sagen, zahlreiche Rumcocktails sowie wirklich gute südafrikanische Weine, Bier und Sekt waren im AI-Paket enthalten.

Wirklich gut kann man im La Maree-Restaurant direkt am Strand mit herrlichem Meerblick diverse a-la-Card Gerichte genießen (ebenfalls im AI-Paket enthalten).

Die weitläufige Poolanlage. Hier war immer ein Platz zu bekommen.

„Handtuch-Liegen-Reservierer“ fand man nur vereinzelt rund um den Pool. Am weitläufigen Strand waren stets nur max. 50% der herrlich bequemen Liegen (mit Auflagen) unter rustikalem Stroh-Sonnenschirm und/oder schattigen Bäumen belegt, so dass man zu jeder Tageszeit immer reichlich Auswahl hatte, ob man lieber in der Sonne oder im Schatten liegen möchte. Ein paar Beachboys kommen regelmäßig rum und servieren Wasser, bestellen kann man auch Kaffee und andere nichtalkoholische Getränke sowie kleine Snacks. Alkoholhaltige Getränke dürfen die Boys nicht ausliefern, da muss man sich schon selber an die Strandbar bemühen.

Hier ist insbesondere „Sunil“ zu erwähnen, kümmert sich wirklich sehr und ist mit Rat und Tat stets behilflich.

Natürlich durfte auch eine „Big-Game-Fishing“ Tour nicht fehlen...

Um 6 Uhr morgens ging es los. Die Ausfahrt zum ersten "Hotspot.

...wenn man schon Urlaub in bekanntermaßen guten Marlin-Gewässern macht.

Am Strand bin ich mit einem der üblichen Strand-läufer/Reiseanbieter ins Gespräch gekommen und er hat mir ein gutes Boot mit guter Crew zu einem akzeptablen Preis vermittelt. Bezahlt habe ich letztlich 19.000,- Rupies für eine „Full-Day-Charter“ (9 Std.) von 06:00Uhr bis ca. 15:00Uhr, was zum tagesaktuellen Kurs in etwa 460,-€ entsprach (Stand April 2016). Letztlich wurden 13 Stunden daraus, dazu später mehr…

Die Ausfahrt begann in der Dämmerung um 06:00Uhr, versorgt mit einer Lunchbox des Hotels, kaltes Bier und Wasser stellt die Crew. Bei herrlichem Wetter und gefühlten 25° ging es los und bereits während der Ausfahrt aus der „Turtle-Bay“ wurden die 8 Ruten ausgebracht.

Eine herrliche Golddorade am Haken

Nach ca. 1 Stunde flottem Tempo erreichten wir den ersten anvisierten Fangplatz weit draußen. Eine Untiefe, die mit Bojen markiert war, an der sich auch ein paar Einheimische mit wahren Nußschalen herumtrieben. Nachdem wir dort 1 Stunde ohne Erfolg gekreuzt sind ging es noch weiter raus zu einer 2. Untiefe, ebenfalls mit Bojen gekennzeichnet. Hier wurde nun gekreuzt bis wir ein paar Möwen sichteten, die sich auf einen kleinen Strudel kochendes Wasser stürzten, aus dem der eine oder andere fliegende Fisch flüchtete. Hier nun längs gezogen und die erste Bremse kreischte, ich nahm auf dem Kampfstuhl Platz und nach kurzer Flucht konnte die erste Gold-Dorade, auch als Mahi-Mahi bekannt, gelandet werden.

Bis ca. 11:00 Uhr wurden so insgesamt 5 dieser teilweise recht kampfstarken Gold-Doraden in verschiedenen Größen, ein kleiner Gelbflossenthun, der auf einen großen Rappala-Wobbler gebissen hat, sowie ein Bonito gefangen. Nun wurde ein Viertel des Thunfisches „geopfert“ und wir versuchten unser Glück auf Naturköder. Großer Haken, ein ordentliches Stück Thunfisch, und fertig… ca. 30m Schnur ablassen und langsame Fahrt. Es dauerte nicht lange und der erste Biss. Nach ca. 1 Minute Drill war der Fisch weg, die ca. 1mm dicke monofile Schnur glatt durch. Der Skipper meinte nur schulterzuckend „Shark, not good“… und so holten wir die beiden Naturköderruten wieder ein, denn zum einen wollte ich nicht auf diese faszinierenden Fische angeln und zum anderen hätte es ohne Stahlvorfach auch wenig Sinn gemacht.

Gelbflossenthun
Gold-Dorade 1
Gold-Dorade 2
Gold-Dorade 3
Foto nach 1 Stunde Drill aufgenommen.

Also wieder die Kunstköder ausgebracht und wieder auf schnelles Schleppen umgerüstet…

Und dann so gegen 12:00Uhr, High-Noon, ein ordentlicher Biss am Ausleger. Die Bremse kreischte gefühlte 2 Minuten ohne Unterbrechung und der Fisch nahm reichlich Schnur.

Der Skipper rief sofort „Marlin – Marlin“, ich sprang auf den Kampfstuhl, bekam die Harnischweste an, die dicke Penn-Rolle wurde mit den Karabinern an der Weste eingeklinkt und nun hieß es pumpen und ziehen mit den Armen und abdrücken mit den Beinen, jeder Meter muss zurück auf die Rolle. Bereits nach wenigen Minuten war mir klar, das ist ein richtig guter… und dann sah ich ihn 2-mal weit draußen springen und sich schütteln. Gänsehaut pur, trotz 30° im Schatten… und ich saß in der prallen Sonne…Adrenalin in höchster Konzentration durchströmte mich und so bemerkte ich zunächst überhaupt nicht, welche Anstrengung sich dahinter verbirgt, solch einen Fisch an der Angel zu haben, dabei von der Sonne gegrillt zu werden und zu schwitzen wie in einer finnischen Sauna bei 90°.

2 Stunden Marlin-Drill liegen hinter Egon.

Die Crew war echt Klasse. Gab mir stets Tipps, versorgte mich mit Wasser zum Trinken und es gab jedes Mal auch einen Schluck über den Kopf oder in den Nacken. Ansonsten wäre ich bestimmt bereits nach 1 Stunde mit Hitzschlag oder so vom Stuhl gefallen.

Nach ca. 2 Stunden hatte ich den Fisch das erste Mal neben dem Boot in ca. 2m Wassertiefe und man konnte ihn erkennen. Der Skipper meinte trocken: „A big Bull…..ca. 3m….. over 300kg….Come on, pump”…und der Fisch holte sich ca. 50m hart erkämpfter Schnur zurück…

3 Stunden Drill...  Der Rücken schmerzt bereits, die Sonne brennt auf den Armen.

Nach ca. 3 Stunden hatte ich ihn ein zweites Mal neben dem Boot, wieder in ca. 2m Wassertiefe. Der Bootshelfer hatte das große Flying-Gaff bereits im Anschlag, aber der Fisch war keinen cm näher ans Boot zu bewegen… ganz im Gegenteil, er wollte mich noch ein wenig quälen und ging wieder auf Taustation und nahm dabei wieder gefühlte 50m Schnur mit…

Nach ca. 4 Stunden hatte ich trotz Sonne Gänsehaut und bemerkte dass ich leichtes brennen auf den Armen und Beinen verspürte… Moment mal…4 Stunden pralle Sonne, schwitzen wie Sau, da wird doch wohl nicht die Sonnencreme versagen, oder? Keine Zeit für sowas momentan, der Fisch ist wichtiger…Pelle wächst nach…

Arme und Oberschenkel 4 Stunden in der prallen Sonne, so langsam kamen die Schmerzen des Sonnenbrandes

Der Skipper hatte mittlerweile Verstärkung herangerufen und mit einem kleinen Speedboot kamen 3 junge Männer, die übersetzten. Er war der Meinung, dass wir diesen Fisch nicht ohne Verstärkung ins Boot bekommen.

Nach 5 Stunden hatte ich keine Kraft mehr in den Armen um den Fisch weiter heranzupumpen. Ich musste mich nun mit kleinen Schritten begnügen, ließ mir vom Boot und der Dünung helfen. Halten wenn die Welle das Boot hochhebt und den Fisch etwas heranzieht, Kurbeln und Schnur gewinnen im Wellental wenn die Spannung etwas nachlässt…

Nach ca. 6 Stunden war der Fisch wieder nahe am Boot, aber immer noch einige Meter tief. Und nun kam das Schlimmste… ich war mittlerweile einfach nur müde und unkonzentriert, bedacht den Fisch zu halten, keinen Meter mehr nachzugeben, und hielt die Rute ziemlich senkrecht in die Höhe. Dann ging der Fisch, der nahe am Boot stand, noch mal ab und der Winkel war nun zu steil, die Spitze der 100lbs-Rute konnte dieser Flucht in dem Winkel nicht standhalten und brach mit einem schrecklichen Geräusch. Was nun….?

Mit diesen Rollenringen lässt sich in der Haltung, Rollen oben, ohne den Spitzenring nicht weiterangeln. Der Skipper holt kurzentschlossen 2 Lederhandschuhe und eine Ersatzrute. 2 der Jungs, je mit einem Handschuh bestückt, halten nun den Marlin mit bloßen Händen, die Schnur wird gekappt, und mit der Schnur der Ersatzrute verknotet. Alles natürlich in Hektik und mittlerweile im Halbdunkel der heraufziehenden Dämmerung um ca. 18:00Uhr.

Es kam nun, was der Supergau für jeden Angler ist… der Knoten hielt der Belastung nicht stand, war vielleicht auch nicht korrekt geknotet, auf jeden Fall riss die Schnur, der Fisch war weg….und ich am Boden zerstört…ich hätte heulen können…

Jetzt erst bemerkte ich, wie kaputt ich eigentlich mittlerweile war, die Beine zitterten, die Arme zitterten, auf Beinen und Armen einen tierischen Sonnenbrand, da das Wasser auf dem Boot auch längst alle war, wahrscheinlich auch etwas dehydriert.

Marlindrill nach 1 Stunde
Marlindrill nach 2 Stunden
Marlindrill nach 3 Stunden
Marlindrill nach 4 Stunden

Und richtig sitzen konnte ich auch nicht mehr, beim 6-stündigen rumrutschen auf dem Kampfstuhl habe ich mir den Hintern wundgescheuert… aber das Schlimmste, der Fisch war weg…

Und so fuhren wir nach Hause, zwar mit 5 Golddoraden und einem kleinen Thun, aber wieder ohne meinen Traumfisch legten wir um ca. 19:00Uhr am Hotelsteg an. Dennoch ein unvergesslicher Tag für mich, der meinen Respekt vor diesem König der Meeresfische nur noch vergrößert.

Immerhin war mir vergönnt, mich mehrere Stunden mit diesem herrlichen Fisch zu messen, und ich muss ehrlich sagen, selbst wenn die Rute und Schnur gehalten hätten, ich weiß nicht, ob ich noch lange durchgehalten hätte. Ich war am Ende…

Sollte ich doch irgendwann noch einmal in diese Ecke der Welt kommen, wieder in dieses Hotel, wieder dieses Boot, wieder diese Crew (nur richtig knoten bring ich denen dann noch bei…)!