Hitra 1999

Hitra 1999

Tourbericht: Aaltöter

Nachdem wir die Wasserschweine am Chicken-Pool des Ebro besucht, im Ebro-Delta auf Palometa geschleppt, den Riesenwelsen am Stausee Riba-Roja bereits mehrere Besuche abgestattet und unsere Pfannenfilets von Köhler und Dorsch auf Fünen gemacht hatten, sollte es im Mai 1999 endlich an die Riesenschwärme von Köhler und Dorsch, ein paar Lengs und vielleicht sogar einen Heilbutt rund um die Insel HITRA in Norwegen gehen. In jedem Bericht des Blinkers und der Angelwoche über die Insel vor dem Trondheimfjord wurde nur vom Feinsten berichtet. So wollten auch wir uns endlich die lahmen Arme vom Köhler- und Dorsch-Ziehen holen.

Die Vorbereitung

Prospekte durchgeackert - Preise verglichen - Internet durchforstet - Route ausgesucht - endlich nach mehreren Rücksprachen mit dem Veranstalter die angeblich beste Zeit gebucht (4 Personen, 1 Haus direkt am Wasser, mit eigenem Steg, 2 Boote mit guten Motoren, Anfang Mai 1999).

Material vorbereitet - noch schnell 'ne 30lbs Rute und 'ne neue Multirolle zugelegt (400m 30er bis 50er Geflochtene) - Pilker (200 bis 600 Gramm) mit einem Gesamtgewicht von ca. 30 Kg noch schnell selbst gegossen oder aus 4VA-Vollrohr geschnitten, geschliffen, gebohrt und mit guten Drillingen bestückt – VW-Bus mit 50 Power-Diesel-PS durchgecheckt – die Radnaben des Anhängers geschmiert – die Getränke zollsicher verstaut – noch 'nen zweiten Pulli eingepackt – und schon waren wir fertig.

Die Anreise
Aaltöter - Tours auf dem Weg nach Norwegen

Wir haben uns für die Fährverbindung Kiel – Oslo – Kiel entschieden, damit wir nicht schon bei der Anreise in Stress verfallen. Die Anreise nach Kiel verlief ohne Probleme. Es standen uns 19 Std. auf der Fähre bevor, auf der wir uns noch mal richtig erholen konnten. Die Kabine auf dem Schiff war für eine Nacht vollkommen in Ordnung. Das Wetter war ebenfalls vom Allergemeinsten.

Einzig die Preise auf der Fähre haben uns doch ein wenig überrascht, und das nicht unbedingt im Positiven. Wer sich nicht bange macht für ein Bier, eine Cola oder einen Hamburger mal eben 10 DM hinzulegen, sich ein Abendessen für 50 DM schmecken zu lassen und sich am nächsten Morgen noch mit einem kräftigen Frühstück für lockerere 20 DM für die restliche Fahrt zu stärken, der kommt auf der Fähre gut zurecht. Ich, für meinen Teil, weiß aber, dass ich beim nächsten Mal eine gut gefüllte Kühlbox im Handgepäck habe.

Gut ausgeschlafen geht es am nächsten Morgen auf die letzten 700 km Richtung Trondheim. Der Reiseveranstalter gibt für diesen Streckenabschnitt eine Fahrzeit von 10 Std. an. Lächerlich: nach 3,5 Std. hatten wir schon fast die Hälfte geschafft. Also dürften wir nach 8 Std. locker am Ziel sein. Aber irgendwie ging es jetzt nur noch bergauf, teilweise in Serpentinen bis auf 1050m hoch. Den höchsten Punkt erreichten wir dann auch tatsächlich schon nach 8 Std. dank des vollkommen übermotorisierten Busses.

Die Fahrt ist allerdings zu keinem Zeitpunkt langweilig. Der herrliche Ausblick auf schneebedeckte Ebenen, auf rauschende Gebirgsbäche und auf die Natur pur ist jeden einzelnen Meter wert. Ich glaube wir haben sogar 1 oder 2 andere Autos gesehen. Jetzt noch die Abfahrt und dann den 5,8km langen Tunnel (256m unter dem Meeresspiegel, 10% Gefälle und anschließend 10% Steigung – 35km/h dank der 50 PS Powerdieselmaschine) und nach 10 Stunden sind wir tatsächlich auf HITRA.

Im Touristikcenter wartet man noch auf uns, erklärt uns freundlich den Weg zum Ferienhaus, welches wir dann nach einer weiteren ¾ Stunde auch erreichen.

Die Ankunft

Das Häuschen ist wunderschön in einen Hang gebaut, für bis zu acht Personen zugelassen und hat neben vier Schlafzimmern eine große Küche, ein eher kleines als gemütliches Wohnzimmer, 2 Badezimmer, eine große Diele und im Keller noch einen Filetierraum mit ausreichender Kühltruhe, die es galt, innerhalb kürzester Zeit mit reichlich Filet zu füllen. Aber dies dürfte nach den vielen Meldungen, die uns vorlagen, ja kein großes Problem sein.

Nachdem wir uns jeder ein eigenes Schlafzimmer ausgesucht haben ging es auf die riesige umlaufende Terrasse, von der aus wir einen herrlichen Blick auf das Wasser und unseren hauseigenen Steg mit den zwei Booten hatten.
Schnell waren die ersten Ruten fertig, die Echolote ausgepackt und montiert und schon ging es zu einer ersten Erkundungsfahrt ab aufs Wasser.

Die Boote und Motoren waren wirklich in einem hervorragenden Zustand, wir hatten schon anderes erlebt. Leider waren die Benzinkanister nur etwa zur Hälfte gefüllt und im Haus hatten wir, trotz vorheriger Bestellung, keinen Ersatztreibstoff für die Boote vorgefunden. So planten wir nur eine kurze erste Ausfahrt mit der Option, am nächsten Morgen zunächst tanken zu fahren.

Dieses Tanken entwickelte sich dann allerdings zu einem etwas größeren Problem. Schließlich war es Pfingstsonntag, die einzige Tankstelle auf unserer Nebeninsel war bis Dienstag geschlossen, also für 16.—DM Maut auf die Hauptinsel und nach 160 Km Rundreise habe ich dann tatsächlich eine offene Tankstelle gefunden, alles was ich an Kanistern hatte vollgemacht und gegen 16:00 Uhr war ich nach 7 Stunden schon wieder zurück an unserem Haus. Die Kollegen waren kurz davor eine Vermisstenanzeige aufzugeben.

An dieser Stelle noch einen weiteren Hinweis. So was modernes wie einen Geldautomaten oder 'ne Bank suchst Du auf der Insel vergeblich. Versorgungen jedweder Art kann man von 10:00 bis 17:00 Uhr in einem Tante-Emma-Laden erledigen. Ansonsten ist hier absolutes Ödland. Also genau das richtige Ambiente zum Fischen.

Das Fischen

Am Pfingstmontag brachen wir dann in aller Frühe zum ersten großen Dorsch- und Köhlerfang auf. Wie wir in vielen Berichten lesen konnten brauchst Du nur ein wenig mit dem Boot hin und her zu fahren, bis die Anzeige auf dem Echolot vollkommen schwarz ist. Dann bist Du über einen Kleinfischschwarm und darunter sind die Räuber, die sich auf unsere Drillinge stürzen sollten.

Den Montag und Dienstag verbrachten wir damit, unser Echolot spazieren zu fahren. Leider warteten wir vergeblich darauf, Fischanzeigen in größerer Menge zu erhalten, geschweige denn, den Bildschirm schwarz zu sehen. Am Mittwoch entschlossen wir uns dann, etwas weiter 'rauszufahren um in größeren Tiefen auf Leng zu fischen. Pilker von 500g zusätzlich mit Fischfetzen bestückt und ab damit in 160m Tiefe. Dort hatten wir auch einige Bisse.

Verflixt, wir hatten im wahrsten SInne des Wortes die "Haipest". Die Burschen raubten uns den letzten Nerv...

Nach 20 Min. Schwerstarbeit war das Gewicht mit der Multirolle dann wieder oben und wir konnten den Katzenhai schonend vom Haken lösen. OK, einige Lengs von eher mittlerer Größe waren auch zu verzeichnen. Da wir aber alle 4 keine vollkommen durchtrainierten Sportler waren, schmerzten schon bald die Arme und Schultern.

Fisch hin und her, 160m mit einer Übersetzung von 2,1:1 ist echte Arbeit und vielleicht trug hier auch die Enttäuschung über die fehlenden Dorsch- und Köhlerschwärme dazu bei, dass man sich so richtig über den einen oder anderen Fisch nicht mehr freuen konnte.

Auch wenn wir am Donnerstag und Freitag ebenfalls noch unser Glück versuchten, beschränkte sich die Nutzung der großvolumigen Kühltruhe im Filetierraum lediglich auf eine kleine Ecke.

Die Abreise funktionierte dann ebenfalls ohne Probleme. Die Stimmung natürlich, wie das bei einer Abreise nach Hause immer so ist, nicht gerade die Beste.